Jahrgangsbeschreibungen der letzten Weinjahrgänge

2016

2016 reiht sich als ein weiteres Weinjahr in die Jahrgänge der Extremen ein. Von Frost bis Starkregen, von Hagel bis Sonnenbrand und Trockenheit hatte 2016 von allem etwas zu bieten. Die ersten Monate des Jahres begannen mit einem milden Winter, der nahtlos in ein kühles Frühjahr überging. Nach dem Knospenschwellen folgte ein Temperatureinbruch, der die Reben in der Entwicklung stagnieren ließ. Ein Zustand, in dem Raupen wie der Romben-spanner größere Schäden anrichten können.

“2016 ein Jahr der Extreme und der Wetterkapriolen”

Das Frühjahr bis in den Sommer folgte mit eher nasskalten Temperaturen und sehr viel Niederschlag; im Juni alleine fiel etwa die zweieinhalbfache Normalmenge an Regen. Abermals wie bereits in den vorangegangenen Jahren war ein extremer Aufwand bei den Laubarbeiten nötig, um Pilzerkrankungen in den Weinbergen einzudämmen. Unwetter mit Starkregen und Hagelschlag setzten den Weinbergen lokal zu. In unserem Weingut war hauptsächlich unsere Rebfläche im Wehlener Klosterberg betroffen, in der wir ca. 30% Ertragseinbußen hatten. Unsere besten Lagen in Ürzig und Erden wurden glücklicherweise weitestgehend verschont. Ab Juli änderte sich das feuchte Klima und es wurde heiß und trocken – zu trocken. Besonders in den Sommermonaten bis in den Herbst hinein fiel kaum noch Regen, je nach Monat sogar weniger als 1/3 der Normalmenge. Die kräftige Sommersonne setzte den Pflanzen ebenfalls zu; Sonnenbrand auf den Gescheinen waren die Folge. Die Extremen blieben für die Reben nicht ohne Folgen, Reifever-zögerungen durch Wasserstress und Hagel machten sich besonders in den Steillagen bermerkbar. Die Rebe kompensierte jedoch einiges, sodass die schlimmsten Befürchtungen nicht eingetreten sind.

“2016 leichte, trinkige Riesling-Weine”

Die Trauben, die bis in den Herbst „gerettet“ wurden, konnten in einem guten Reife- und Gesundheitszustand gelesen werden. Die lokalen Unterschiede in der Traubenreife waren mit 65°-100°Oe sehr groß, so dass eine höchst selektive Lese unabdingbar war. Umso überraschender präsentierten sich die Jungweine des Jahrgangs. Sie strahlen durch Ihre Frische, Aromendichte und Leichtigkeit. 2016 bietet eine Bandbreite vom leichten QBA bis hin zur edelsüßen Spätlese und dürfte besonders für säureempfindliche Weintrinker ein interessanter Weinjahrgang sein.

“2016 Rieslinge mit einer reifen, weichen und bekömmlichen Säurestruktur”

2015

Der Weinjahrgang 2015 startete aus weinbaulicher Sicht recht unspektakulär. Die Entwicklung der Reben im Jahreszyklus war nur unbedeutend früher als das langjährige Mittel, was Austrieb und Blütezeitpunkt betrifft. Die Niederschlagsmengen lagen im Frühjahr im Normalbereich bis hin zum Hochsommer.

2015 – Viel Sonne und wenig Niederschlag, des einen Freund, des anderen Leid…

Mit dem Sommerstart wurde das Klima immer heißer und trockener, was für einen Sommer ja grundsätzlich nicht ungewöhnlich ist, jedoch blieben die Niederschläge über ca. 8 Wochen komplett aus. Selbst die üblichen Hitzegewitter waren sehr selten, sodass sich der für die Pflanzen wichtige Wasservorrat sich nicht regenieren konnte. Besonders die besten Lagen hatten mit dem fehlenden Niederschlag zu kämpfen, da die Reben in den Steil- und Steilstlagen oft mit flacheren Erdschichten auskommen müssen. Als ein großes Plus haben wir mit unseren Weinbergen ein Ass im Ärmel. Unsere Rebbestände in den Steillagen sind größtenteils wurzelecht. Wir haben in den vergangenen Jahren oftmals die Erfahrung gemacht, dass ungepropfte Reben deutlich besser mit Wassermangel umgehen können als veredelte. Die positive Kehrseite des fehlenden Niederschlages war, dass es so gut wie keinen Krankheitsdruck in den Weinbergen gab. Die Wetterkapriolen ließen die Erntemenge ca. 20% unter die eines durchschnittlichen Jahres sinken. Die Traubenlese startete wie gewöhnlich in der ersten Oktoberwoche. Die Moste hatten trotz der hohen Zuckergehalte überraschender Weise teils kräftige Säurewerte, was besonders bei den restsüßen Weinen ideal ist um spannende, frische Weine zu produzieren. Bei den trockenen Weinen haben wir durch lange Maischestandzeiten versucht, die Säurespitze zu brechen und gut diese gut abzupuffern.

2015 – Die volle Bandbreite; vom Qualitätswein bis zur Beerenauslese.

Im Keller lief zunächst alles nach Plan. Die Moste gärten ruhig und gleichmäßig, wurden dann jedoch mit fortschreitender Gärung immer langsamer. Einge, wie z.B. der Weißburgunder, stoppten komplett und wollten dann auch nicht mehr weitergären. Alles in Allem sind wir aber dennoch sehr zufrieden mit dem Jahrgang, der durch die Bank sehr frische, aromenintensive Weine mit einer kräftigen Farbe hervorbrachte.

2014

Der Weinjahrgang 2014 stellte abermals die Nerven und das Können der Winzerbetriebe auf die Probe. Begonnen hatte das Weinjahr mit einem milden Frühjahr, was zu einem frühen Austrieb Anfang April führte. Ein kühlerer Temperatureinbruch führte zu einer Stagnation und begünstigte den Knospenfraß durch Schädlinge wie den Rombenspanner, der teilweise aber sehr lokal erhebliche Schäden verursachte. Mal feuchtes, mal warmes, aber immer sehr stark wechselndes Wetter begleitete die Monate April und Mai bis hin zur Rebblüte, die Anfang Juni im vollen Gange war. Einge starke Regenschauer führten zu einem starkem Verrieseln einzelner Weinberge, was einen geringeren Fruchtansatz zur Folge hatte.

Schwierige klimatische Bedingungen verlangen höchsten Einsatz…

Der kühle, nasse Sommer verlangte von den qualitätsfokusierten Weinbaubetrieben eine Menge Arbeit. Um den phytosanitären Gesundheitszustand zu gewährleisten, war ein erheblicher Arbeitsaufwand in die Laubarbeit zu investieren, denn eine lockere und gut durchlüftete Laubwand ist der beste Schutz gegen Pilzkrankheiten wie Oidium und Graufäule. Mit den Maßnahmen konnten die Reben und Trauben in einem sehr guten Gesundheitszustand bis in den September gebracht werden, wo zunächst alles noch recht gut aussah. Optimistisch legten wir den Lesebeginn auf ein möglichst spätes Datum, mussten aber recht schnell erkennen, dass ein Vorziehen um 10 Tage auf Anfang Oktober unumgänglich war. Mit der zunehmenden Reife und der anhaltenen Feuchtigkeit stieg der Druck im Weinberg. Abermals wie bereits in den vergangenen Jahren war eine sehr schnelle und höchst selektive Lese erforderlich. Besonders essigfaules Lesegut machte es der Lesemannschaft sehr schwierig; ca. ¼ der Trauben wurden im Weinberg herausgeschnitten.

Der Aufwand lohnte sich. Qualitativ konnten wir Weine vom QBA bis hin zur Auslese ernten. 2014 zeichnet sich durch sehr ausgewogene, harmonische Weine aus, die ein tolles Spiel besitzen und durch Ihre Fruchtigkeit bestechen.

2014 harmonische, ausgewogene Weine mit viel Frucht…

2013

2013 startete mit einem sehr kühlen Frühling. Die Kälte bremste die Entwicklung der Reben und sorgte für einen sehr langsamen Austrieb. Der Temperaturverlauf änderte sich in den Monaten April und Mai nur wenig, was zu einer sehr langsam verlaufenden und stark verrieselten Blüte führte. Mit einem Blütestart um den 20. Juni lag 2013 von der Entwicklung her drei Wochen hinter einem „normalen“ Jahrgang. Bereits zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die Erntemengen eher unterdurchschnittlich ausfallen werden. Weiter gedämpft wurden die Erwartungen durch schwere Unwetter mit Hagel, die in einzelnen Weinbergen bis zu weiteren 30% Ernteeinbußen führten. Besonders in den Lagen für unseren Gutsriesling Wehlener Klosterberg, Erdener Herrenberg und Kinheimer Hubertuslay sahen die Weinberge schlimm aus. Schwerer Hagelschlag versetzte die Reben in eine Art Schockstarre und bremste die physiologische Entwicklung noch weiter aus. Die Winzer erwarteten eine sehr späte Weinlese. Ab Juli änderte sich das Wetter schlagartig und der Sommer kam mit seiner vollen Stärke. Warmes, aber trotzdem feuchtes Wetter führte zu einem frühen Auftreten von Edelfäule, die eine schnelle Lese in manchen Weinbergen nötig machte.

2013 – leichte Weine, mineralisch mit Nerv

Trotz der meteorologischen Widrigkeiten brachte der Jahrgang erstaunlich gute Weine hervor. Obwohl der Durchschnitt der Mostgewichte “nur” zwischen 80° und 90°Oe lag, sind die daraus erzeugten Weine ausgesprochen fruchtbetont und mineralisch geworden. Die spritzige Fruchtsäure sorgt für eine klassische Eleganz und für einen erfrischenden Tropfen mit Nerv.
Besonders stimmig ist dies bei den feinherben und restsüßen Riesling-Weinen, die eine tolle Balance und eine saftige innere Struktur aufweisen. Analog zu den leichteren Mostgewichten fällt auch der Alkoholgehalt des 2013er Jahrgangs etwas niedriger aus.
Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass gerade solche Jahrgänge wie 2013 für eine lange Lagerung und Reife prädestiniert sind und ein hohes Potential besitzen.

2013 – frische, schlanke Weine mit  hohem Reifepotential!

2012

Der Jahrgang 2012 setzt die Reihe der hochqualitativen Weinjahrgänge an der Mosel fort. Begonnen hatte alles mit einem kühlen und trockenen Frühling, der den Austrieb der Reben langsam und im Vergleich zu den Vorjahren recht spät starten ließ. Die anfängliche Trockenheit wurde im Frühsommer genau zur Zeit der Rebblüte durch lang anhaltenden Regen und kühle Temperaturen unter 20°C abgelöst. Durch die Witterungsbedingungen war die Entwicklung in den Weinbergen sehr unterschiedlich. Dies betraf sowohl den Blütezeitpunkt als auch den Fruchtansatz. Durch das anhaltende schlechte Wetter waren sehr viele Blüten “verrieselt”, was Ernteeinbußen von 20-30% zur Folge hatte. Besonders hart hat es die frühen Rebsorten wie Weißburgunder und Müller-Thurgau getroffen; hier gab es bei manchen Kollegen sogar Totalausfälle. Die Rettung in Sachen Wetter bescherte der Spätsommer, der bis in den “Goldenen Oktober” warme Temperaturen und Sonne brachte. Im langjährigen Mittel war der Jahrgang 2012 ein vom Vegetationsverlauf her “normaler” Jahrgang.

2012, Mostgewichte zwischen 85° und 110° Oe!

Mit bis zu 150 Tagen Vegetationszeit, gemessen von der Blüte bis zur Traubenernte, war der Jahrgang 2012 zwar nicht außergewöhnlich. Dennoch reichte diese Zeit, um die für herausragende Wein wichtigen Aromastoffe in den Trauben zu bilden. Der Regen sorgte für die Einlagerung von Mineralstoffen in den Beeren. So entstanden großartige Weine, die durch Ihre Aromendichte, Mineralität und wundervoll animierende Säurestruktur bestechen. Durch die idealen Wetterbedingungen während der Weinlese konnten sehr gesunde Trauben auf dem Optimum ihrer physiologischen Reife geerntet werden. Die Mostgewichte beim Riesling lagen meist im Spät- und Auslesebereich zwischen 85°Oe und 110°Oe. Die höchsten Prädikatsstufen Beerenauslese und Trockenbeerenauslese konnten nicht produziert werden. Es war wenig “Edelfäule” und damit zu wenige “Rosinen” in den Weinbergen vorhanden, um eine Selektionierung vornehmen zu können.

2012, ein Weinjahrgang mit aromatischen Weinen und einer wundervoll animierenden Säurestruktur!

2011

Das Jahr 2011 startete mit frühlingshaften Temperaturen und einem ausgewogenen Niederschlagsverhältnis in die Monate Februar und März, was zu einem sehr frühen Austrieb der Reben führte. Die anhaltende milde Witterung sorgte für einen enormen Entwicklungsvorsprung, dem die früheste Rebblüte seit Aufzeichnungsbeginn folgte. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde in der Fachpresse über einen neuen Jahrhundertjahrgang spekuliert. Die hohen Erwartungen der Winzerschaft und Weingourmets wurden durch die vielerorts in Deutschland auftretenden Spätfröste ernüchtert. Mancherorts beklagten Kollegen einen massiven Schaden bis hin zum Totalausfall einzelner Weinlagen. Die Mosel blieb durch Ihre Steillagen weitestgehend verschont.
Mit einem Vegetationsvorsprung von bis zu vier Wochen ging es in die Sommermonate, die eher kühl und regnerisch waren. Dies bremste die Entwicklung jedoch nur leicht aus, sodass man vielerorts mit einer sehr frühen Traubenernte rechnen musste. Die Ernüchterung kam im August in Form von Starkregen und extremem Hagelschlag. Glücklicherweise wurden alle Weinlagen des Weingutes entweder überhaupt nicht oder nur von den Ausläufern der Unwetter heimgesucht, was den Schaden in unserem Betrieb in Grenzen hielt. Der Herbst sorgte mit seinen sonnigen, bilderbuchartigen Tagen für den wohlverdienten Ausgleich. Besonders in den letzten Tagen der Traubenreife konnten die Reben noch einmal richtig Sonne tanken.

2011, bis zu 160 Tagen Vegetationszeit; rekordverdächtig!

Mit 160 Tagen Vegetationszeit, gemessen von der Blüte bis zur Traubenernte, war der Jahrgang 2011 rekordverdächtig. In dieser Zeit bildeten die Trauben die für einen herausragenden Wein wichtigen Aromastoffe und lagern Mineralstoffe in die Beeren ein. So entstanden großartige Weine, die durch Ihre Aromendichte und milden Säurewerte bestechen. Bedingt durch die idealen Wetterbedingungen während der Weinlese konnten sehr gesunde Trauben auf dem Optimum Ihrer Reife geerntet werden.

2011 ist ein Weinjahrgang mit fruchtigen Weinen, die sich durch ihre milde, bekömmliche Säurestruktur auszeichnen!

2010

2010 war aus weinbaulicher Sicht ein ganz besonderes Jahr. Will man einen vergleichbaren Jahrgang in der Geschichte finden, muss man zurück bis 1968 gehen.

Die Entwicklung im Weinberg begann durch Fröste ein wenig später als gewöhnlich. In der Zeit der Rebblüte führte ein wechselhafter Witterungsverlauf zu ersten Mengeneinbußen. Die Witterungsschwankungen setzten sich über die Sommermonate fort und führten zu einer unterschiedlichen Reifeentwicklung der Trauben. Derartige Reifeschwankungen von Weinberg zu Weinberg hatten viele, selbst ältere Kollegen, noch nicht gesehen! Eine selektive Traubenlese sowie die Sortierung des Lesegutes stellten eine besondere Herausforderung dar.
In manchen Weinbergen wurden bis zu drei Lesedurchgänge benötigt, um alle Trauben in den Keller zu bekommen.

Doch was macht den Jahrgang 2010 so besonders?

Nach dem Verarbeiten der ersten Trauben staunte man nicht schlecht. Die Moste liefen mit einem für die Witterung ungewöhnlich hohen Mostgewicht von der Presse. Besonders aus den Steillagen des Ürziger Würzgartens, des Goldwingerts und des Erdener Treppchens wurden Mostgewichte um die 100°Oe gemessen. Doch dies alleine machte den Jahrgang noch nicht außergewöhnlich. Normalerweise hat die Traubenreife zwei Seiten; entweder man erntet sehr reife Früchte, die dann bedingt durch die hohe Reife wenig Fruchtsäure enthalten, oder umgekehrt. Die Besonderheit von 2010 ist, dass der Säuregehalt trotz einer enorm hohen Zucker- und Inhaltsstoffkonzentration in den Beeren ebenfalls sehr hoch war. Wer bei der Traubenernte und der Weinbereitung viel Sorgfalt und Arbeit investierte, fand 2010 ideale Bedingungen vor, um spannende, ausgewogene Süßweine zu produzieren, die trotz enormer Konzentration und Frucht eine unglaubliche Frische und Spritzigkeit aufweisen.

Mit Sicherheit ist 2010 ein Weinjahrgang mit langlebigen Weinen, die uns in den nächsten Jahren noch viel Freude bereiten werden!

2009

Das Jahr 2009 zeichnet sich durch ideale Wetterbedingungen im sonnigen Spätherbst aus. Kühle Nächte verstärkten die Aromaintensität der Trauben. Der sonnige September lieferte eine optimale Voraussetzung für herausragende Rieslinge. 2009 bringt reife, runde Weine hervor, die durch ihren Duft und ihre Kraft bestachen. Trotz aller Konzentration bestand eine perfekte Harmonie der einzelnen Komponenten Süße, Säure, Frucht und Alkohol.